
Der Verstorbene hat den Turnverein Neugablonz über 5 Jahrzehnte begleitet und maßgeblich mitgeprägt. Der Verein spricht ihm für seinen ehrenamtlichen Einsatz einen letzten Dank aus.
Erich Czirnich kam am 03.07.1919 in Kukan zur Welt. Schon als Kind tummelte er sich in der Turnhalle und wirkte bereits im Sudetenland als Jugendleiter im Turnverband und der völkischen Jugendbewegung. Er orientierte sich an den vom Hochschullektor Toni Sander entwickelten modernen Ideen zur Leibeserziehung.
Im Krieg gehörte er als Offizier dem Fliegenden Personal der Luftwaffe an. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft gelangte er über Hamburg und Trappenkamp nach Neugablonz. Er übernahm das elterliche Geschäft und konnte sich eine stattliche Existenz als selbständiger Gürtlermeister und Schmuckwarenerzeuger aufbauen.
In der neuen Heimat trat er unmittelbar nach der Vereinsgründung am 01.01.1953 in den Turnverein Neugablonz ein.
Auf der Hauptversammlung am 17.03.1966 wurde er zum Vorsitzenden (Sprechwart) gewählt. Über 11 Jahre vertrat er dieses Amt mit Leidenschaft, unterstützt von seinen zwei Stellvertretern Gunter König und Rudolf Lang. In diese Zeit fallen auch 2 sportliche Großereignisse: das „Bezirksoffene Leichtathletiksportfest“ am 22.10.1966 und das „Sudetendeutsche Turnertreffen“ am 12.07.1974. Für seine Verdienste um den Turnverein Neugablonz wurde er am 19.07.1977 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.
Aber das war nicht alles. Erich Czirnich liebte das Leben, die Geselligkeit, die Gemeinschaft. Hier konnte er der humorvolle, ideenreiche Unterhalter für ganze Gesellschaften sein. Für eine „Luderei“ war er immer zu haben. So war es kein Wunder, dass er über viele Jahre den Saskaler Ball in der Turnhalle in verschiedenen Positionen entscheidend mitgestaltete.
Auch als Ehrenvorsitzender stand er bis zu seinem Lebensende dem Verein mit Rat und Tat zur Seite. Der begabte Redner wirkte auf vielen Hauptversammlungen als Wahlleiter. Im Jahre 2002 verfasste er für unsere Festschrift den Artikel „50 Jahre Turnverein Neugabonz – Woher? Wohin?“. Darin beschreibt er in prägnanter Form die Geschichte der Sudentendeutschen Turnbewegung.
Darüber hinaus setzte er sich als vielseitig interessierte Persönlichkeit für den Stadtteil Neugablonz ein. Er war der Verfasser vieler Mundartartikel in der Allgäuer Zeitung „Nej su wos“, in denen er Aktuelles und Vergangenes aus eigenem Erleben und Gehörtes humorvoll oder tiefgründig erzählte und scharfsinnig kommentierte. Kritisch beobachtete er die lokalen Ereignisse und das gesamte Zeitgeschehen.
Er hat sich stets zu seiner Heimat dem Isergebirge und deren Tradition und Brauchtum bekannt. Es war ihm in der neuen Heimat ein großes Anliegen, die Erinnerung daran zu erhalten und zu fördern. Aus diesem Grunde war es für ihn selbstverständlich seinen Turnverein und das Isergebirgsmuseum zu unterstützen.