Geschichte

50 Jahre Turnverein Neugablonz - Woher? Wohin?

Der Turnverein Neugablonz ist der letzte in einer langen Reihe von Turnvereinen, die in der alten Heimat in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts aus dem liberalen und vaterländischen Geiste der Revolution von 1848 gegründet wurden.

Die Freude an Leibesübungen, an Bewegung und freiwilliger Unterordnung unter ein Ideal führte die Menschen zusammen.
Viele neuen Ideen belebten die Turnvereine mit einer Vielfalt an Erkenntnissen der verschiedensten Wege zum gesunden Geist im gesunden Körper.
Auf den Turnböden entwickelte sich ein vollkommen neues soziales Gefühl, als es keine Damen und Herren, sondern nur Turnschwestern und Turnbrüder gab, ohne Frage nach dem sozialen Stand und Herkunft.

1918, als der erste Weltkrieg zu Ende war, befanden sich die Deutschen in Böhmen und Mähren in einen neuen Staat gepresst, dessen Maxime, Staatsgrenze muss Volksgrenze werden, rücksichtslos durchgesetzt wurde.
Alle Bindungen zum Turnerbund, bis dahin Dachverein für alle Turnvereine in der Donaumonarchie, mussten abgebrochen werden.

So entstand 1919 der Deutsche Turnerbund als Schutzverband, der sich neben anderen unpolitischen Verbänden um die Deutscherhaltung der Heimat bemühte. Wie im gesamten Turnwesen wurden Ideen, Wege und Ziele modernisiert.

1933 beim Verbandsturnfest in Saaz wurden neue Inhalte und Formen vorgestellt.
Die Ascher Verbandsturnschule vermittelte durch die Turnlehrerausbildung vorbildliche Methoden, die national und international anerkannt wurden. Toni Sandner, Hochschullektor für Leibesübungen, brachte seine modernen Ideen zur Leibeserziehung der Mannesjungen ein, parallel dazu wurde das Mädchen- und Frauenturnen den neuesten Entwicklungen angepasst.
Der Deutsche Turnerbund war vollkommen unpolitisch und neutral.

Erst durch die politische Entwicklung im Reich und das Schielen nach zukünftigen lukrativen Posten verschob sich das Bild. 1939 war der Turnverband, der sich um die Geschlossenheit und den Zusammenhalt der Deutschen in der Tschechei sehr verdient gemacht hatte, der erste Verband, der nach dem Anschluss ans Reich gleichgeschaltet, aufgelöst und enteignet wurde. Ein Teil seiner Führer wurden verhaftet und in politischen Prozessen verfolgt. Das Vereinsvermögen der Turnvereine fiel an den Reichsbund für Leibesübungen.
Das Wirken der Turnvereine hörte auf. Sport wurde noch in Spezialdisziplinen oder von den Parteigliederungen nach ihren Vorstellungen ausgerichtet und betrieben.

Vorbei war die Zeit der turnerischen Gemeinschaft.

Der Krieg schuf neue Maßstäbe, freiwilliger Breitensport hörte auf.

1945 war endgültig Schluss mit dem Vereinsleben. Den Überlebenden blieben die Erinnerung an die Zeit freiwilligen Dienens in der Turnbewegung und die Stunden schönster Kameradschaft.

Von der Neugründung bis Heute

Beginn in der neuen Heimat:
Schon im Jahre 1947 hatten sich Heimatvertriebene aus dem Kreis Gablonz a.N. in Kaufbeuren und ab 1948 auch im Ansiedungsgelände Kaufbeuren-Hart unter schwierigen Verhältnissen zu Turnen, Sport und Spiel zusammengefunden. Der wirtschaftliche Aufschwung der Gablonzer Industrie nach der Währungsreform und das sprunghafte Ansteigen der Bevölkerungszahl von Kaufbeuren-Hart stärkte bei vielen heimatvertriebenen den Entschluss, einen Turnverein nach sudetendeutscher Tradition zu gründen.

Vereinsgründung:
Im Einvernehmen mit der letzten Vorstandschaft der Gablonzer Sportgemeinschaft (GSG) und aufbauend auf der Pionierarbeit von Siegfried Loos, dem es im Zusammenwirken mit der amerikanischen Militärbehörde gelang, das Sportgelände bei der Gustav-Leutelt-Schule zu erschließen, wurde am 1. Dezember 1952 der Turnverein Neugablonz gegründet.
Die Versammlung in der schon lange abgerissenen Sommer-Baracke am jetzigen Neuen Markt leitete Ing. Georg Warta. In den ersten Turnrat wurden gewählt: Adolf Glaser als Sprechwart, Rudolf Neumann als Oberturnwart, Willi Zenkner als Spielwart, Erwin Erben als Schriftwart und Arthur Kujan als Kassenwart. Der Turnverein Neugablonz sollte ein moderner Verein werden, frei von traditionellen Zöpfen und jeder Ideologie, und offen für jedermann. Er wurde dem Deutschen und Bayerischen Turnerbund angeschlossen. Der turn- und Spielbetrieb wurde im Rahmen der vorangegangenen GSG im Sportheim und am Sportplatz fortgesetzt. Hinzu kam, dass nun auch Turnstunden in Kaufbeuren abgehalten wurden. Leider konnte der geschätzte Turnwart Karl Hauptvogel sein Amt nicht lange ausüben, er starb nach schwerer Krankheit im April 1955

Turnhallenbau:
Schon in der Gründungsversammlung wurde der Bau einer entsprechend großen Turnhalle beschlossen. nach Überwindung erheblicher Schwierigkeiten, vor allem finanzieller Art, konnte am 02.11.1953 mit dem ersten Bauabschnitt der Turnhalle begonnen und am 28.11.1953 feierlich der Grundschein gelegt werden.
Das Gebäude hat eine Länge von 43m und eine Breite von 14m, es wurde nach Plänen von Dipl.-Ing. Carl Weber, Augsburg, mit einigen Abänderungen errichtet.

Eröffnung:
Die Eröffnung der vereinseigenen turnhalle fand am 04.07.01954 m Rahmen des 5. Gablonzr Heimatfestes statt. Dieser Festakt dokumentierte den Aufbauwillen der jungen Vertriebenen-Ansiedlung Neugablonz, aber auch die Opferbereitschaft und den Turnergeist, mitgebracht aus er alten Heimat im Sudetenland. Der Vorsitzende des Deutschen Turnerbundes, der Frankfurter Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb, sprach zur Eröffnung und würdigte das gelungene werk. Zu den vielen Ehrengästen zählte auch der Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft Dr. Rudolf Lodgman von Auen. Glückwunschtelegramme hatten Bundespräsident Heuss, Bundesverkehrsminister Seebohm und die Bayerische Staatskanzlei gesandt. Die Baukosten waren ursprünglich mit 150.000 DM veranschlagt, nach der Endabrechnung beliefen sie sich auf rund 185.000 DM. Die Finanzierung des Baues erfolgte durch ansehnliche Spenden und Zuschüsse der Stadt Kaufbeuren, der Gablonzer Industrie, der Banken, des Handwerks und auch von Privatpersonen. Der Bayerische Landessportverband halt mit einem Darlehen. um den Bau hat sich in besonderer Weise der Bauausschuss verdient gemacht, er setze sich aus Adolf Glaser, Ing. Georg Warta, Dipl.-Ing. Georg Billig und Josef Weiner zusammen.
Nach der Eröffnung der Turnhalle erhielt das Vereinsleben einen sichtlichen Aufschwung, die Mitgliederzahl 1000 wurde überschritten.

Die Kegelbahn:
Der Turnrat befasste sich bald mit de 2 Bauabschnitt, einem Anbau für eine Gaststätte mit 2 Kegelbahnen. Am 21.05.1957 wurde mit dem 2. Bauabschnitt begonnen, der Anbau wurde am 12.10.1957 der Öffentlichkeit übergeben. Auf das gesellige Leben des Vereins und die finanzielle Lage hat sich diese Baumaßnahme positiv ausgewirkt. Um den Bau haben sich Gunter König, Werner Seibt und Heinz Zappe besonders bemüht.

Turnlehrer, Übungsleiter und (Jugendwarte?):
Für die leitung der Turnstunden der vielen Abteilungen des Vereins wurde es notwendig, einen Turnlehrer einzustellen. Walter Schicketanz hat von 1955 bis 1960 diese verantwortungsvolle Aufgabe erfüllt. Schon im ersten Jahr betreute er 13 und Turnlehrerin Toni Sandner 2 Abteilungen. Sie gehörte über 3 Jahrzehnte als vorbildliche Übungsleiterin und Turnwartin zu den guten Geistern des Vereins. Danach waren folgende Turnlehrer im Verein tätig: Friedrich Stepanek, Ralf Zarbock, Franz Heinlein, Philipp Bär, Henry Toms und Walter Höner.

In 50 Jahren hat der Turnverein Neugablonz vieles für die Gemeinschaft getan, vieles erreicht und sich in den stets ändernden Zeitläufen behauptet. Er hat eines sener Ziele, möglichst viele durch den Sport und Spiel gesund zu erhalten, erreicht. Der kameradschaftliche Geist, der sich in den Abteilungen entwickelt hat, erhielt dem Verein in 5 Jahrzehnten die Lebendigkeit. Schöne Erfolge berechtigen zu stolzen Erinnerungen. Fröhlichkeit und Freundschaft, diesich über Jahre erhalten haben, werden den Geist, der den Verein a Anfang beseelt hat, weiter wirken lassen. Zum Wohle seiner Mitglieder und Freunde.